





Liebe Tierfreunde,
heute möchte ich mich hier einmal einem Thema widmen, welches mich schon meine ganzen Berufsjahre als Tierarzthelferin hindurch verfolgt, nämlich die immer wieder falsche Fütterung von Kaninchen und Meerschweinchen - mit dramatischen Folgen.
Ja, auch viele Hunde und Katzen bekommen nicht das Futter, was Ihnen eigentlich gut täte (dazu sicherlich ein anderes Mal mehr), aber bei keinen Tieren wird bei der Fütterung unwissentlich so viel verkehrt gemacht wie bei Kaninchen und Meerschweinchen.
Schuld daran hat zum großen Teil die Futtermittelindustrie, die Produkte als "Kaninchen-" oder "Meerschweinchenfutter" deklariert, die damit nicht das Geringste zu tun haben oder die Kaninchen und Meerschweinchen gleich mit Hamstern und Ratten in einen Topf werfen und sie gemeinsam auf "Nagerfutter" abdrucken.
Deshalb die wichtigste Information zuerst:
Kaninchen und Meerschweinchen sind KEINE Nagetiere! Sie sind Herbivoren,
Pflanzenfresser. Wenn Sie sich einfach mal (in Ermangelung wilder
Meerschweinchen in Deutschland) in ein Wildkaninchen hinein versetzen, dürfte Ihnen
eigentlich klar werden, welches Futter dem natürlichen Nahrungsangebot
entspricht. Ein Kaninchen, das über Felder und Wiesen hoppelt, ernährt
sich fast ausschließlich von Gräsern und Wildkräutern. Es knabbert mal
an jungen Zweigen und im Herbst findet es auf abgeräumten Feldern auch
mal eine zurückgelassene Möhre oder ein paar Getreidekörner, aber das
sind zeitlich und mengenmäßig begrenzte Ausnahmen, die ihm den Großteil
des Jahres nicht zur Verfügung stehen.
Die artgerechte Fütterung von Kaninchen und Meerschweinchen sollte sich deshalb so zusammensetzen:
1. Immer frisches Wasser, am Besten in einem Napf, denn die Kopfhaltung
beim Nuckeln aus einer Trinkflasche ist absolut unnatürlich.
2. Immer ausreichend Heu zur freien Verfügung.
3. Viele frische (Wild-)Kräuter und hier und da mal ein Zweig mit Rinde. Getrocknet können sie auch angeboten werden.
4. Wenig Gemüse, vor allem wenig von solchem Gemüse, das viel Zucker
enthält, wie zum Beispiel Möhren. Bittere Sorten wie Endivie oder
Chicoree sind deutlich förderlicher.
5. Noch weniger Obst. Eigentlich gar kein Obst. Wenn es sein muss, alle paar Tage mal ein wirklich kleines Stück Apfel.
Leider sieht die Realität aber ganz anders aus.
Dem gutgläubigen Kunden leuchten in Futterläden bunte Verpackungen
aller möglicher Hersteller entgegen, die ihm alle das Gefühl vermitteln,
den Kaninchen oder Meerschweinchen mit diesen Produkten etwas Gutes zu
tun. Das allermeiste ist dabei - sorry - überteuerter Müll und führt
nicht nur kurzfristig zu leeren Geldbörsen, sondern vor allem auf lange
Sicht, da die meisten dieser Produkte die Tiere nach und nach krank
machen, bis sie zum Stammgast in der Tierarztpraxis werden.
Der größte Krankmacher ist Zucker, und damit meine ich nicht nur die direkt so deklarierte, für jeden erkennbare Zutat "Zucker", sondern ebenso Honig, Obst und Getreide. Honig ist Zucker. Obst enthält Fructose, Fructose ist Zucker. Getreide enthält Stärke, Stärke ist Zucker. Zucker hat im Verdauungstrakt eines Kaninchens und eines Meerschweinchen NICHTS zu suchen.
Der Verdauungstrakt von Kaninchen und
Meerschweinchen ist auf Pflanzenfasern ausgelegt, auf Ballaststoffe,
aber nicht auf Kohlenhydrate wie Zucker.
Wenn Zucker - in welcher
Form auch immer - auf dem täglichen Speiseplan von Kaninchen und
Meerschweinchen steht, dann passieren auf Dauer drei Dinge:
1. Sie werden adipös und können sich nicht mehr richtig putzen, worunter besonders die Afterregion leidet. Die Folge sind Haut-Entzündungen rund um die Scheide und den After und Verfilzungen des Fells in diesem Bereich. Ein wunderbarer Nährboden für Eiter und Parasiten.
2. Sie fressen sich an den zuckerhaltigen Futtermitteln (Getreide, Honig, Obst, Möhre,...) satt, weil Zucker ein Geschmacksverstärker ist, Zuckerzeug ist leckerer als schnödes Grünzeugs oder Heu. Dadurch kauen sie nicht mehr genügend Pflanzenfasern, die unerlässlich sind für den stetigen Zahnabrieb. Die Folge sind Zahnfehlstellungen, die stetig beim Tierarzt mit einer Zahnschleifmaschine korrigiert werden müssen, damit die Tiere wieder in der Lage sind zu fressen.
3. Vor allem aber führt der Zucker zu einer Dysbalance des Mikrobioms im Darm. Die Bakterien, die auf ballaststoffreiche Pflanzenfasern angewiesen sind, werden weniger, während Hefepilze, die sich von Zucker ernähren, den Darm mehr und mehr besiedeln. Die Folge sind immer häufiger auftretende Durchfälle. Wenn das Tier nun auch noch adipös ist - siehe 1. - und sich nicht mehr gründlich putzen kann, reichen wenige Stunden Unaufmerksamkeit seitens der Tierbesitzer aus, damit Fliegen ihre Eier in das kotverklebte Fell legen und Kaninchen und Meerschweinchen bei lebendigem Leibe von Maden zerfressen werden.
Letzteres habe ich als Tierarzthelferin unzählige Male erlebt, und es macht mich so wütend, weil es so einfach hätte verhindert werden können, wenn die Futtermittelindustrie die Tierliebhaber nicht so täuschen würde.
Deshalb meine Bitte an alle Besitzer von Herbivoren: Sparen Sie sich viel Geld und Ihren Tieren viel Leid, indem Sie sie artgerecht ernähren.

- Muss ein Ast oder ein Baum abgesägt werden, dann entfernt dieses Totholz nicht aus dem Garten, sondern bringt es als gestalterisches Detail mit im Garten ein. Das sieht nicht nur sehr hübsch aus, das langsam vor sich hin verrottende Holz wird auch schnell zur Heimat für unzählige Asseln, Tausendfüßler und Laufkäfer. Ein Festmahl für Igel.
- Statt des Gehweges aus Betonplatten könnte man einfach mal über einen Pfad aus Hackschnitzeln, also grob gehäckselten Holzstücken, nachdenken. Oben drauf bleibt er auch bei langen Regenfällen schön griffig, so dass es nicht rutschig wird, und unten drunter tummelt sich das Leben. Dort stöbert der Igel dann gerne nach Futter.
- Beete zu mulchen, diese Idee ist nicht neu. Rindenmulch eignet sich aber überhaupt nicht gut, da er den pH-Wert des Bodens ins Saure verändert und dem Boden viele Nährstoffe entzieht. Wenn man stattdessen verschiedenste andere Materialien zum Mulchen verwendet, von Küchenabfällen (Stichwort "Flächenkompostierung") über Grasschnitt, Heu, Stroh, Laub und klein gehäckseltem Schnittgut bis hin zu Kaninchenmist oder schlichtweg dem ausgerissenem Unkraut, dann sind die Beete nicht nur vor der Dürre im Sommer und der Kälte im Winter besser geschützt, und man braucht weniger bis gar keinen Dünger mehr, da sich ständig neuer Humus im Beet aufbaut, sondern vor allen Dingen wimmelt es unter dem Mulch dann von Larven, Käfern und Spinnen, an denen sich der Igel satt essen kann.
